The Idiot: A History of the Story

In his Nobel Prize lecture Peter Handke spoke about stories from his childhood that formed him and that still accompany him as a writer. One of them appeared in his Der kurze Brief zum langen Abschied, 1972:

Er fing zu singen an und erzählte eine Geschichte, die er selber erlebt hätte. Man tanzte nicht mehr, stand nur herum und hörte ihm zu. Er erzählte von einem schwachsinnigen Mädchen, das von einem Farmer, bei dem sie arbeitete, vergewaltigt worden war und ein Kind bekommen hatte. “Und dieses Kind war ich!” sagte der Sänger und schlug dabei die Gitarre, deren Ton noch anhielt, während er die Geschichte weitererzählte. “Sie gebar das Kind, als sie zum Brunnen Wasser holen ging, wie wickelte es in die Schürze und trug es nach Hause, und ich wuchs auf als das Kind des Farmers und seiner Frau. Und eines Tages kletterte ich über einen Zaun (I climbed up the Virginia fence, sagte der Sänger) und blieb hängen. Da kam die Schwachsinnige dazugelaufen, die nicht einmal reden konnte, und half dem Kind herunter. Und das Kind sagte zu der Frau des Farmers: “He, Mutter, warum hat denn die Idiotin so weiche Hände?” Und diese Idiotin war meine Mutter!” schrie der Sänger. Er hob die Gitarre, kauerte sich zusammen und fing in langen, nachzitternden Akkorden zu spielen an.

He began to sing a talking blues. The people, who had stopped dancing, gathered around the singer and listened. His story was about a feeble-minded girl, who had been raped by a farmer she was working for and given birth to a child. “And I was that child!” said the singer, striking a chord, which echoed on while he continued his story. “She had the child while she was going out to the well for water; she wrapped it in her apron and carried it into the house, and the farmer and his wife raised me as their own child. And one day I climbed up a fence and got stuck. The feeble-minded woman, who couldn’t even talk, came running and helped the child down. And the child said to the farmer’s wife, “Hey, Ma, why are the idiot girl’s hands so soft?” And that idiot girl was my mother!” the singer screamed. Then he took the guitar and played a series of long, tremulous chords.

[Short Letter, Long Farewell, translated by Ralph Mannheim, 1974]

Zarko just reminded me that the story is told again in the play Immer Noch Sturm / Storm Still (2010). The Austro/Slovenian family is remembering the stories they repeat again and again, always the same ones:

Und alle sind sie nur kurz, und bei keiner weiß man eigentlich, warum sie im Umlauf ist, was so überliefernswert in ihr ist, was sie überhaupt miteinander zu tun haben, bis vielleicht auf den ewigen Ekel. . . .

Und die Geschichte von der schwachsinnigen Dienstmagd, die irgend jemand hat geschwängert, und der man das Kind nach der Geburt hat weggenommen. Es ist aufgezogen worden von den Hofleuten, und eine der Hoftöchter hat ihm die Mutterstelle vertreten. Und eines Tages, das Kind hat schon sprechen können, hat es sich beim Spielen am Weidezaun in den Ruten dort verklemmt und ist nicht mehr freigekommen, und der Stier hat schon vor ihm gescharrt, und sein Schreien hat die Schwachsinnige weit weit weg gehört, und sie ist dahergerannt und had das Kind aus dem Zaun gezogen, und danach, zuhause, hat das Kind seine vermeintliche Mutter, die Hoftochter halt, gefragt: — Und wieder reden die zwei Brüder unisono: — Du, Mutter, warum hat die Blöde eigentlich so weiche Hände?

And they are all short, and no one really knows why they keep being told, what makes them worth passing down, what they have to do with each other, except maybe loathing. . . .

And the story of the feeble-minded servant girl impregnated by someone, and the child was taken from her after the birth. It was raised by the farm people and one of the farmer’s daughters acted in place of his mother. And one day, the child could already speak, it got caught in the pasture fence, tangled in the branches and couldn’t get free, and the bull had already begun to paw the ground and the feeble-minded maid heard the boy’s screaming from far far away and came running and pulled the child out of the fence and then, back home, the child asked his supposed mother, the farmer’s daughter: — And again the two brothers speak in unison: — Hey, Mother, why does the stupid girl have such soft hands?

[my translation]

Handke returns to this story in Die Obstdiebin, 2017, thinking about the role of such stories:

Das sei hier erzählt, wiederholt und verknüpft mit der Geschichte des auf meinem Grund und Boden kehrenden, rechenden, schaufelnden Nachbarn, weil mir, dessen Kehrgeräusche dauerhaft ih Ohr, gerade aufgegangen ist, wie doch, was im Gedächtnis bleibt, wie doch die Begebenheiten, die night bloß überliefernswert sind, sondern nach Weitererzählen und Weitergeben förmlich rufen und schreien, über gleichwelche Völker-, Landes- wie Kontinentalgrenzen hinausgehen; wie solche in der Regel minimalen Begebenheiten überall auf Erden ganz andere und zugleich — in aller Herren Länder? nein, in den Ländern ohne welche Herren — dieselben sind.

Noch etwas ist mir dabei aufgegangen: daß ich solche, wenigstens in meinen Augen, weltumspannenden, angeblich kleinen Geschehnisse, bis auf wenige Ausnahmen, nicht selber erlebt habe, sie mir vielmehr, wie die Geschichte vom hofkehrenden Bruder, wenn nicht eben an der Wiege gesungen, so doch sehr früh im Leben vorerzählt worden sind, etwa die mir beständig nachgehende wie vorleuchtende von der Schwachsinnigen Magd, die, vom Bauern geschwängert, ein Kind gebiert. Dieses wächst an dem Hof auf, ohne zu wissen, daß die Idiotin seine Mutter ist. Und eines Tages, als es sich in einem Heckenzaun verfängt und die Magd gerannt kommt und es aus der Verstrickung löst, fragt das Kind dann die Frau des Hauses, die vermeintliche Mutter: “Mutter, warum hat die Dumme solche weiche Hände?” — Und auch dieses nicht selbst Erlebte, diese Hörensagensgeschichte habe ich vor langem schon weitererzählt, ohne besonderes Zutun, wie von allein, jenseits der europäischen Grenzen verwandelt in eine Bluesballade, sagen wir, im innersten Georgia oder jenseits des Jenissej.

I tell this here, repeated and linked to the story of my sweeping, raking, shoveling neighbor because I, that sweeping always in my ear, just realized how what is memorable — events that are not just worth passing along but that formally call out and clamor to be retold and passed on — surpasses the borders of peoples, countries, and continents; how such normally minor events are different everywhere on earth and at the same time — all over the world? no, in the countries without rulers — are the same.

Something else occurred to me at the time: that with a few exceptions I did not experience such, at least in my eyes, world-spanning, supposedly little events myself, but that they were, like the story of my brother sweeping the courtyard, if not sung to me in the cradle, told me early in my life, like the one that constantly follows me and lights the way forward, the one about the feeble-minded girl who, made pregnant by a farmer, gives birth to a child. The child grows up on the farm without knowing that the idiot is his mother. And one day when he gets caught in a hedge fence and the girl comes running and frees him from the entanglement, the child asks the woman of the house, the supposed mother: “Mother, why does the stupid girl have such soft hands?” — And this story, one I didn’t experience myself but only know through hearsay, I repeated a long time ago, without altering much, just so, transforming it into a blues ballad, shall we say, deep in Georgia or beyond the Jenissej.

[Die Obstdiebin, my translation]

And he tells the story again in his Nobel Prize lecture, December 2019:

In der Kindheit hat meine Mutter immer wieder, wenn es die Zeit war und wenn die Zeit es erlaubte, von den Leuten aus dem Dorf – slowenisch »Stara Vas«, zu deutsch »Altes Dorf« – erzählt; keine Geschichten, sondern kurze, und doch, wenigstens für meine Ohren, unerhörte Begebenheiten. Mag sein, daß die Mutter diese zugleich auch meinen Geschwistern vortrug. Aber mir ist, als sei ich jeweils ihr einziges Publikum gewesen.

Eine jener Begebenheiten ging so: Auf einem der Bauernhöfe, schon halb im Gebirge, arbeitete eine Idiotin (oder, wie es damals hieß, »eine Schwachsinnige«) als Magd. Diese wurde vom Hofherrn vergewaltigt und bekam ein Kind, dessen Mutterrolle aber die Frau des Hauses übernahm. Die Magd, die wahre Mutter, hatte sich von ihrem Kind strikt fern zu halten. In dessen Augen war die andere seine Mutter. Und eines Tages verfing sich das noch kleine, doch schon sprechfähige Wesen beim Alleinspielen in dem Drahtzaun am Rand des Anwesens und verstrickte sich dort mehr und mehr. Es schrie und schrie, bis auf einmal jetzt die Idiotin, die »Geistesschwache«, oder, Wort der Erzählerin in der Mundart der Gegend zwischen Saualpe und Karawanken, »die Treapn«, daher gerannt kam. Im Handumdrehen war das Kind freigehakt. Und danach aber die Frage des Kindes an seine zuletzt noch hinzugeeilte vermeintliche Mutter – die Magd schon zurück zu ihrer Arbeit, ob im Stall oder auf den Feldern –: »Mutter, warum hat die Treapn so weiche Hände?«

In dem Buch »Der kurze Brief zum langen Abschied« ist aus dieser Erzählung ein Lied geworden, eine Ballade, gesungen in einer nächtlichen Bar von Philadelphia/Pennsylvania/USA, mit dem von Strophe zu Strophe wiederholten Schrei des Sängers: »Und dieses Kind war ich! Und dieses Kind bin ich!«

In my childhood, when the time came and when time allowed, my mother would tell me, time and again, about people from the village—called Stara Vas in Slovenian, Altes Dorf [Old Village] in German: not stories, but short narratives that sounded, at least to my ears, like “unique occurrences,” to use Goethe’s phrase. It’s possible that my mother shared these accounts with my siblings, too. But in my memory, I was always her sole audience.

One of the occurrences went like this. On a local farm, halfway into the mountains, a mentally retarded girl worked as a milkmaid. In those days people called her “feeble-minded.” This girl was raped by the farmer and gave birth to a baby boy, but the farmer’s wife raised the child as her own. The girl, the actual mother, had strict orders to stay away from the little boy. For all he knew, the farmer’s wife was his mother. And one day the boy, still very young but already talking, was playing by himself near a barbed wire fence on the edge of the farm and got caught in the wire. The more he struggled, the more tangled he became. He screamed and screamed, until the retarded milkmaid, the “feeble-minded” girl, or, as my mother called her in the dialect spoken between the Saualpe and Karawank ranges, the Treapn, came running. In no time she’d unhooked the little boy. When the little boy’s presumed mother finally hurried to the spot, while the maid was already back at work, in the barn or out in the fields, the child asked, “Mother, how come the Treapn has such gentle hands?”

 

In Short Letter, Long Farewell, this incident became a song, a ballad sung one night in a bar in Philadelphia, Pennsylvania, with the singer’s exclamation repeated at the end of every stanza, “And that child was me! That child was me!” [should read: “And I was that child! And I am that child!”]

[Nobel Prize Lecture, translated by Krishna Winston]

 

His mother’s stories inspired him to tell stories of his own, Handke continues in the Stockholm lecture, and he found forms and rhythms for telling stories in films of John Ford and Ozu, in songs of Johnny Cash and Leonard Cohen, and in Slovenian liturgies.

Handke’s readers find new forms and rhythms in his work that enable them to tell stories of their own, stories learned, perhaps, from their own mothers.

Years ago Zarko Radakovic and I stood before Peter Handke’s mother’s grave in the village of Griffen, Austria, and began to write our own story: Repetitions.

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About Scott Abbott

I received my Ph.D. in German Literature from Princeton University in 1979. Then I taught at Vanderbilt University, BYU, and Utah Valley State College. At Utah Valley University, I directed the Program in Integrated Studies for its initial 13 years and was also Chair of the Department of Humanities and Philosophy for three years. My publications include a book on Freemasonry and the German Novel, two co-authored books with Zarko Radakovic (REPETITIONS and VAMPIRES & A REASONABLE DICTIONARY, published in Serbo-Croatian in Belgrade and in English with Punctum Books), a book with Sam Rushforth (WILD RIDES AND WILDFLOWERS, Torrey House Press), a "fraternal meditation" called IMMORTAL FOR QUITE SOME TIME (University of Utah Press), and translations of three books by Austrian author Peter Handke, of an exhibition catalogue called "The German Army and Genocide," and, with Dan Fairbanks, of Gregor Mendel's important paper on hybridity in peas. More famously, my children are in the process of creating good lives for themselves: as a model and dance/yoga studio manager, as a teacher of Chinese language, as an ecologist and science writer, as a jazz musician, as a parole officer, as a contractor, as a seasonal worker (Alaska and Park City, Utah), and as parents. I share my life with UVU historian Lyn Bennett, with whom I have written a cultural history of barbed wire -- THE PERFECT FENCE (Texas A&M University Press). Some publications at http://works.bepress.com/scott_abbott/
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2 Responses to The Idiot: A History of the Story

  1. alex caldiero says:

    love surpasses all understandings. only human flesh can transmit it. this is the story of stories. thank you Peter. thank you Zarko. thank you Scott.

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